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| Foto: Dilar Dirik, Qamishlo |
Dieses Kapitel erschien ursprünglich im Buch
„Kampf um Kobane“ im Septermber 2015, herausgegeben vom Assemblage Verlag.
»In unserem Kampf geht es nicht nur darum, unser Land zu verteidigen. Als
Frauen nehmen wir in allen Bereichen des Lebens teil, ob wir gegen den IS oder
gegen Sexismus und Gewalt an Frauen kämpfen.« YPJ-Kommandeurin Jiyan Afrin
„Tilililili!“ – die Finger zum Victory-Zeichen gespreizt, verlässt eine
Gruppe älterer Frauen in traditioneller kurdischer Tracht ein Gebäude in
Qamislo, nachdem sie in einem Fernsehprogramm teilgenommen hat. Ähnliche bunte
Momente ereignen sich überall in der Stadt, lassen einen vergessen, dass es
sich hierbei um das ansonsten physisch und politisch verwüstete Syrien handelt.
Gigantische Banner schmücken den Himmel: »Die Rojava Revolution ist eine
Frauenrevolution.«
Seit dem Widerstand in Kobanê wurde der Kampf der kurdischen Frauen gegen
den sogenannten Islamischen Staat (IS) ins Licht der Medien gerückt. Obwohl
kurdische Frauen seit Jahrzehnten bewaffnete Kämpfe gegen verschiedene Staaten
und Systeme führen, hat der aktuelle Widerstand gegen eine explizit
frauenvernichtende Organisation, die sich mit Sexsklaverei rühmt, auch den
Mainstream fasziniert.
Die Parole »Die Dschihadisten haben Angst vor kurdischen Frauen, weil sie,
wenn sie von Frauen getötet werden, nicht in den Himmel kommen« ist
mittlerweile zu einem Standardsatz in jedem Artikel oder jeder Reportage
geworden. Doch solche Schwarz-Weiß-Malereien banalisieren die Komplexitäten des
Widerstands der kurdischen Frauen, die selbst aus einer feudal-patriarchal geprägten
Gesellschaft kommen, gegen die systematische Vergewaltigungskultur des
IS.
Indem diese Frauen als mysteriöse Amazonen exotisiert werden, werden sie
dem kapitalistischen Wertesystem entsprechend politisch sterilisiert und
vermarktet. Doch in Anbetracht der radikal-demokratischen politischen Ziele der
in Rojava kämpfenden Frauen, ist es fraglich, ob der Mainstream und seine
Modezeitschriften, die den Kampf kurdischer Frauen nun für ihre eigenen Zwecke
aneignen, auch die Gedanken dieser mutigen Kämpferinnen zu unterstützen bereit
sind. Immerhin steht die Ideologie, die diese Frauen antreibt, auf der
Terrorliste der Türkei, USA und EU …
Frauen sind oft aktiv in nationalen und revolutionären
Befreiungsbewegungen, doch wird die Lösung der sozialen Situation von Frauen
oft auf die Zeit nach der “Befreiung” oder “Revolution” verschoben, da die
generelle Befreiung der Gesellschaft als Priorität betrachtet wird. Doch sobald
die sogenannte generelle Freiheit erreicht zu sein scheint, werden Frauen oft
vergessen. Obwohl Kriegs- und Krisensituationen Frauen oft von restriktiven
gesellschaftlichen Rollen emanzipieren, erfahren Frauen später meist eine
Rückkehr der Tradition, die sie in die Häuser zurückschicken will. Manchmal
geht es ihnen im Nachhinein sogar schlechter, weil die Festigung von
Genderrollen und Konservatismus oft als notwendig betrachtet wird, um die
„Normalität“ der Vorkriegszeit wiederherzustellen.1
Der Kampf der kurdischen Frauenbewegung zielt jedoch nicht nur auf den IS
ab, sondern richtet sich ebenfalls gegen das Patriarchat der eigenen Gemeinde
und versucht, eine alternative Gesellschaft aufzubauen. Der Widerstand gegen
den IS geht weit über das Schlachtfeld hinaus: Man kann davon sprechen, dass
sich zurzeit vor allem in Kobanê nicht nur zwei unterschiedliche Kampfparteien
gegenüberstehen, sondern zwei komplett polare Gedankensysteme und
Weltverständnisse.
Wenn Frauen zur Waffe greifen …
Bevor ich mich mit der ideologischen und organisatorischen Struktur der
Frauenrevolution in Rojava und der kurdischen Frauenbewegung befasse, sollte
festgestellt werden, dass es nicht nur im Nahen Osten, sondern überall auf der
Welt, als ein radikaler Tabubruch gilt, wenn Frauen zur Waffe, dem
traditionellen Macht- und Statussymbol des Mannes greifen.2 Der Schock,
den dieser Zustand verursacht beruht nicht etwa auf pazifistischen
Begründungen, sondern auf traditionellen, essentialistischen binären
Vorstellungen von „Frausein“ und „Weiblichkeit“. Militant zu sein gilt als
unattraktiv, unnatürlich und „unweiblich“, denn es überschreitet soziale
Grenzen und rüttelt an den Grundlagen des Status quo, der sich an
traditionellen Geschlechterrollen orientiert. Beispielsweise wird militanten
Frauen vorgeworfen, die „Heiligkeit der Familie“ zu verletzen, da Kriegsführung
als Gegenteil von Mutterschaft betrachtet wird. Obwohl solche
Rollenverteilungen oft den Anschein erwirken, Frauen moralische Überlegenheit
zu attributieren, ist offensichtlich, dass die Verletzung dieser Rollen mit
sozialer Bestrafung einhergeht.3 Es sind nicht Krieg oder Gewalt
selbst, sondern die Gefährdung strikter sozialer Strukturen, die für dieses
Unbehagen gegenüber militanten Frauen verantwortlich ist. Überall auf der Welt
sind widerstandleistende Frauen sexualisierter Gewalt ausgesetzt, da ihre
Militanz als ein Angriff auf die Maskulinität von Staats- und Militärstrukturen
und der damit verbundenen sozialen Ordnung betrachtet wird. Frauen werden durch
sexuelle Gewalt also dafür bestraft, sich in eine für männliche Privilegien
vorbehaltene Sphäre gewagt zu haben. Dies hat selbstverständlich weniger mit
Sex als mit Machtausübung zu tun - das Gegenüber wird durch diese Art von
Missbrauch dominiert und gedemütigt.4
Aus diesem Grund wird oft versucht, die Bedeutung von Frauenkämpfen zu
verleugnen. In Kurdistan haben verschiedene staatliche, aber auch soziale
Systeme wie feudale Strukturen versucht, den Kampf der Frauen, oft durch die
Kombination von Sexismus mit Rassismus, zu untergraben. Wenn kurdische
Guerillakämpferinnen nicht gerade beschuldigt wurden, den männlichen Kämpfern
als Sexsklaven zu dienen, wurden ihnen Irrationalität, Emotionalität oder
Verzweiflung nachgesagt – typische sexistische Mittel, um das Verhalten von
Frauen zu erklären, wenn es einem nicht passt.5 Sie zögen in den
Kampf, um ihrer unterdrückenden, rückständigen Kultur zu „entfliehen“. Während
staatsnahe Medien, insbesondere in der Türkei und im Iran, Guerillakämpferinnen
als „Sexspielzeuge der Terroristen“ oder als Gefahr für traditionelle
Wertevorstellungen wie der klassischen Familie darstellen, um ihren Kampf zu
delegitimieren, bezeichneten westliche Medien diese Frauen bis vor kurzem als
Opfer, die einen Ausweg aus ihrer rückständigen Kultur suchen. Es sei nicht
etwa die Ungerechtigkeit des Systems oder politisches Bewusstsein, das sie dazu
veranlasst zur Waffe zu greifen, sondern der Wunsch einem Leben voller
Ehrenmorde und Kinderheirat zu entkommen. Hierbei spielen orientalistische
Einstellungen, die nicht dazu fähig sind, nahöstliche Frauen als
selbstbestimmende Subjekte zu betrachten, eine große Rolle. Diese „Erklärungen“
für die Militanz kurdischer Frauen basieren nicht nur auf purer Spekulation, da
kurdische Frauen selbst konkrete und in der Tat politisch bewusste Motive für
ihre Entschlossenheit angeben, sondern sind des Weiteren nicht in der Lage zu
erklären, wie die kurdische Bewegung eine massive basisorientierte
Frauenbewegung mobilisiert hat, die die Mentalität der Gesellschaft
herausgefordert und dabei Frauen in der breiteren Gesellschaft gestärkt hat,
sodass die Präsenz von Frauen in Parlamenten, Verwaltungen, auf den Straßen und
an der Front heute in Kurdistan als normaler Alltag gilt.
Der Feminizid des Islamischen
Staates
Um den Kampf der kurdischen Frauen gegen den IS verstehen zu können, muss
außerdem festgestellt werden, dass der IS explizit Frauen den Krieg angesagt
hat. Verschleppungen, Zwangsehen, Vergewaltigungen, Sexsklaverei und alle Arten
sexueller Gewalt werden als systematisches Kriegsmittel genutzt.6
Frauen werden in ein oder zwei Stunden dauernden so genannten „Dschihad-Ehen“,
mit „religiösem Segen“ vergewaltigt. Der IS habe es für „halal“ (d. h. religiös
„zulässig“) erklärt, Frauen auf der Seite des Feindes zu vergewaltigen. Hierbei
werden vorhandene Bedingungen der Gesellschaft, wie Religion für eigene Zwecke
instrumentalisiert. Ein Beispiel dafür ist die aktive Ausnutzung des Begriffes
der „Ehre“, der in der Region vor allem um den Körper und die Sexualität von
Frauen formuliert wird. Die patriarchalen Strukturen der Region sorgen dafür,
dass viele Frauen, die die sexuelle Gewalt des IS überleben, von ihren Familien
abgelehnt, teilweise sogar ermordet werden, um die „Ehre“ der Familie
wiederherzustellen. Es wird berichtet, dass viele Frauen Selbstmord begangen
haben, um nicht in die Hände des IS zu fallen. Gefangen gehaltene Frauen, die
an Telefone gekommen sind, flehten die Welt an, die Gebäude in denen sie
festgehalten werden, zu bombardieren.7 Der IS ist sich bewusst, dass
er durch seine sexuelle Aggression religiöse und ethnische Gemeinden
»verunreinigt«. Dies dient nicht nur der Auslöschung gesamter Gemeinden wie den
Eziden - Es ist deutlich, dass diese Kriegsführung eine systematische,
spezielle Form der Gewalt darstellt: Feminizid.
Wenn wir uns also den explizit sexualisierten Charakter von Krieg und
Gewalt überall auf der Welt anschauen und dabei im Kopf behalten, dass Frauen
oft nach der “Befreiung” im Stich gelassen werden, was können wir über die Befreiung
der Frau aus einer radikalen Perspektive feststellen? Was steckt hinter dem
Kampf der kurdischen Frauen?
Ein philosophischer Widerstand…
»Wir sind nicht bloß Frauen, die
gegen den IS kämpfen. Wir kämpfen, um die Mentalität der Gesellschaft zu
verändern und der Welt zu zeigen, wozu Frauen fähig sind. Wir wollen nicht,
dass die Welt uns nur wegen unserer Waffen kennt. Wir wollen, dass sie unsere
Ideen kennen« sagt mir Sozda, eine Kommandeurin der YPJ
(Frauenverteidigungseinheiten) in Amûde und deutet auf die Bilder, die im
Gemeinschaftsraum ihrer Brigade hängen: Guerilla-Kämpferinnen der PKK und
Abdullah Öcalan, der auf der Gefängnisinsel Imrali gefangene ideologische
Vorsitzende der Partei.
»Seit ihrer Gründung in den späten Siebzigern wurde die Arbeiterpartei
Kurdistans, die PKK, nicht nur zu einer Herausforderung türkischer Behörden,
sondern ebenfalls für kurdische Traditionalisten, die die Genderstruktur
innerhalb kurdischer Gesellschaften, die hauptsächlich von Anführern von
Familienverbänden und Großgrundbesitzern geführt wurden, beibehalten wollten.«8
Die Befreiung der Frau galt von Anfang an als ein Ziel der PKK; dies
manifestiert sich sowohl in ihrer Ideologie, als auch in ihrer Organisation.
Viele nationalistische Projekte versuchen sich durch die Hypermaskulinisierung
der sogenannten Nation zu etablieren. Vor allem bei der Betrachtung kolonialer
Zusammenhänge zeigt sich, wie diese eigene Überhöhung mit einer
Entmaskulinisierung der zu unterdrückenden Gesellschaften einhergeht“. Das hat
bei vielen nationalen Befreiungsbewegungen dazu geführt, eine strikte Linie
zwischen „Heim“ und „Front“ zu ziehen, Männern das Privileg der Bürgerschaft
erster Klasse zu übergeben und Frauen, die sich außerhalb der ungeschriebenen
Markierungen der sozialen Ordnung bewegen, zu bestrafen.9
Interessanterweise identifiziert Öcalan Maskulinität jedoch als eines der
Kernprobleme der Gesellschaft:
»Der Mann wurde zum Staat und verwandelte diesen in die dominante Kultur.
Klassen und sexuelle Unterdrückung entwickelten sich gemeinsam; Die
Männlichkeit hat das herrschende Geschlecht, die herrschende Klasse und den
herrschenden Staat erzeugt. Wenn der Mann in diesem Zusammenhang analysiert
wird, ist es klar, dass die Männlichkeit getötet werden muss. In der Tat ist es
das Grundprinzip des Sozialismus, den dominanten Mann zu töten. Das Töten der
Macht bedeutet: die einseitige Dominanz, die Ungleichheit und die Intoleranz zu
töten. Darüber hinaus bedeutet es, Faschismus, Diktatur und Despotismus zu
töten.«
Befreiung des Lebens: Die Revolution der Frau, Abdullah Öcalan (S. 55)
Öcalan sieht deutliche Verbindungen zwischen verschiedenen Institutionen
der Macht: »Gesellschaftlich verankerter Sexismus ist genau wie Nationalismus
ein ideologisches Produkt von Macht und Nationalstaat. Gesellschaftlich
verankerter Sexismus ist nicht weniger gefährlich als Kapitalismus.«10
Das Patriarchat, der Kapitalismus und der Staat seien die Wurzel der
Unterdrückung, Dominierung und Macht: »Folglich ist die Frau
gesellschaftshistorisch eine kolonisierte Nation, die im Nationalstaat ihre
unvorteilhafteste Position erreicht hat. Alle Macht- und Staatsideologien sind
auf sexistische Einstellungen und Verhaltensweisen zurückzuführen. Die
Versklavung der Frau stellt einen im höchsten Maße verborgenen und
verschleierten gesellschaftlichen Bereich dar, in dem alle Formen von
Sklaverei, Unterdrückung und Kolonisierung realisiert sind. Kapitalismus und
Nationalstaat agieren im vollsten Bewusstsein dessen. Ohne Versklavung der Frau
kann keine der anderen Formen von Sklaverei bestehen, geschweige denn sich
entfalten. Kapitalismus und Nationalstaat kennzeichnen den weitest
institutionalisierten dominanten Mann. Deutlicher gesagt: Kapitalismus und
Nationalstaat sind der Monopolismus des despotischen und ausbeuterischen
Mannes.«11 Aus diesem Grund empfindet er eine bewusste und autonome
Frauenmobilisierung als unabdingbar.
Selbstverständlich produziert die Frauenbewegung ihre eigenen Theorien und
Kritiken, doch es ist erstaunlich, dass ein männlicher Vorsitzender einer
nahöstlichen Bewegung die Befreiung der Frau als einen zentralen und kritischen
Maßstab der Freiheit betrachtet und diese über die Befreiung der Nation stellt.12
Obwohl die Befreiung der Frau von Anfang an als ein Kernbestandteil der PKK
gilt, fand die autonome Organisation der Frauenbewegung zeitgleich mit dem
Paradigmenwechsel der Partei vom Ziel eines unabhängigen Staates in Richtung basisdemokratischer
Mobilisierungsformen der Demokratischen Autonomie statt. Als der Zusammenhang
zwischen verschiedenen Formen der Unterdrückung identifiziert, die repressiven
Annahmen und Mechanismen des etatistischen Systems aufgedeckt und Alternativen zum
hegemonialen System gesucht wurden, wurde durch Autonomisierung die Befreiung
der Frau als kompromissloses Prinzip artikuliert. Anstatt soziale Gerechtigkeit
in von Staaten gewährten Konzepten wie legalen Rechten zu suchen, kam die
Bewegung zur Erkenntnis, dass der Weg zur Befreiung zunächst einmal eine
umfassende radikale Kritik des Systems erfordert. Anstatt die Bürde auf die
Schultern von Frauen zu legen, wird die Befreiung der Frau zur Verantwortung
der Gesellschaft gemacht, weil an ihr die Ethik und Freiheit der demokratischen
Gesellschaft gemessen wird. Für einen bedeutsamen Freiheitskampf soll die
Frauenbefreiung nicht nur ein Ziel, sondern eine aktive Methode des
Befreiungsprozesses sein. Wirkliche soziale Veränderung von denselben
Mechanismen wie denen des Staates, welche Vergewaltigungskultur und Gewalt an
Frauen erleichtern oder gar möglich machen, zu erwarten, würde eine
Kapitulation gegenüber dem Liberalismus mit seinen feministischen und
demokratischen Vortäuschungen sein.
Heute teilt die kurdische Bewegung, die der Ideologie der PKK nahesteht,
politische Positionen auf zwei Ko-Vorsitzende, jeweils einer Frau und einem
Mann, auf – von Parteispitzen bis zu Nachbarschaftsräten. Dies zielt nicht nur
darauf ab, Frauen und Männer gleich zu repräsentieren, sondern Macht zu
dezentralisieren, Monopolismus entgegenzuwirken und konsensorientierte
Entscheidungen zu motivieren. Die Frauenbewegung ist in allen Bereichen autonom
organisiert, sozial, politisch, militärisch. Dadurch sind beispielsweise die meisten
Frauen im türkischen Parlament und in den Lokalverwaltungen heute Kurdinnen13.
Während organisatorische Prinzipien wie Ko-Vorstände und Quoten darauf
abzielen, Frauen Repräsentation zu garantieren, ist massive soziale und
politische Mobilisierung an der Basis durch Rätedemokratien und
Selbstverwaltungsstrukturen (oft durch den türkischen Staat als Separatismus
kriminalisiert) für die Stärkung des gesellschaftlichen Bewusstseins
verantwortlich.
Den IS durch die Mobilisierung der Frau
bekämpfen …
Von diesen Prinzipien inspiriert wenden auch die drei Kantone Rojavas, die
im Januar 2014 für autonom erklärt wurden, Quoten und das Prinzip des
Ko-Vorstands an und bildeten autonome Frauenverteidigungseinheiten, -kommunen,
-akademien, -tribunale und -kooperativen. Anfang 2013 beschloss die YPJ
(Frauenverteidigungseinheiten) sich autonom von der YPG
(Volksverteidigungseinheiten) zu organisieren. Schätzungen zufolge gibt es
momentan mindestens 15.000 YPJ-Kämpferinnen in Rojava. Brigaden gibt es in
jeder Stadt. Auch in den Reihen der innere Sicherheitskräften (asayish) sind
viele Frauen vertreten. Die Dachorganisation der Frauenbewegung Yekîtiya Star
ist in allen Bereichen des Lebens autonom organisiert, von Verteidigung über
Wirtshaft, Bildung und Gesundheit. Autonome Frauenräte existieren parallel zu
den Volksräten auf allen Ebenen und haben das Recht, gegen die von den
Volksräten getroffenen Entscheidungen Vetos einzulegen. Männer, die als
gewalttätig auffallen, werden von der Verwaltung ausgeschlossen. Sexistische
Diskriminierung, Zwangsehen, Kinderheirat, häusliche Gewalt, Ehrenmorde und
Brautpreise wurden bereits zu Beginn der Gründung der Verwaltung
kriminalisiert. Viele nichtkurdische Frauen, vor allem Araberinnen und
Assyrerinnen, haben sich den militärischen Reihen, sowie der Verwaltung in
Rojava angeschlossen und werden angeregt, sich ebenfalls autonom zu
organisieren, um die spezifischen Situationen ihrer Gemeinden zu adressieren.
Als ich die YPJ Brigade in Amude besuchte, fragte ich die Kämpferinnen, ob sich
unter ihnen auch Araberinnen befinden. Erstaunt antworteten sie: „Natürlich
sind hier arabische Frauen. Fünf unserer 30 Kämpferinnen sind Araberinnen”. Was
für mich faszinierend war, war für sie so selbstverständlich, dass sie es nicht
für nötig gehalten hatten, es zuvor zu erwähnen!
Auch wenn es noch zu früh ist, fundamentale Veränderungen in
wirtschaftlichen Bedingungen zu prophezeien, vor allem da das Embargo und der
allgegenwärtige Krieg die Überlebensökonomie Rojavas, in der die meisten als freiwillige
Kader arbeiten, bestimmen, sind bereits viele Projekte und Initiativen
sichtbar, die darauf abzielen, Frauen wirtschaftlich zu emanzipieren. Soziale
Emanzipation hängt schließlich unmittelbar mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit
und Selbstständigkeit zusammen. Die Frauenbewegung hat zahlreiche
Frauenkooperativen gegründet, von Agrikultur zu Textilien. Vor allem Frauen,
die ihre Angehörigen verloren haben, sollen wirtschaftlich rehabilitiert
werden, indem ihnen Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten angeboten werden.
So progressiv die bereits erwähnten Organisationsprinzipien auch sein
mögen, würden sie nicht viel bedeuten, wenn die Mentalität der Gesellschaft
gleichbleibt - Werte wie die Gleichberechtigung der Geschlechter müssen von der
Gesellschaft verinnerlicht werden, wenn tatsächlich
gesellschaftlicher Wandel bewirkt werden soll. Aus diesem Grund ist klar,
dass Revolution zuerst im Kopf beginnen muss.
In allen möglichen Bereichen der sozialen Bewegung identifizieren die
Akteure der Revolution, die Überwindung der unterwürfigen unkritischen
Mentalität, die das Regime systematisch in den Köpfen der Bevölkerung verankert
hat, als die schwierigste Hürde der Revolution. Die Hinterfragung von Autorität
und Diskussionen über alternative Wege der gemeinschaftlichen Organisation
müssen zu einer Kultur der Demokratie werden.
Durch Bildung soll die gesamte Bevölkerung politisch bewusst gemacht
werden. Salih Muslim, der Ko-Vorsitzende der Partei der Demokratischen Union
(PYD) sieht die kapitalistische Demokratie im Kontrast zu den nachhaltigen
Zielen der demokratischen Autonomie: »Es geht darum, die Gesellschaft zu
politisieren: das ist der Kern zur Bildung der demokratischen Autonomie. In
Europa findet ihr eine Gesellschaft, die nicht politisiert ist. Politische
Parteien drehen sich um Überzeugung und individuelle Interessen, nicht um wahre
Emanzipation und Politisierung. Wahre Demokratie basiert auf einer
politisierten Gesellschaft. Wenn ihr jetzt nach Kobanê geht und die
Kämpfer*innen der YPG und YPJ trefft, werdet ihr sehen, dass sie ganz genau
wissen, warum und wofür sie kämpfen. Sie sind nicht dort für Geld oder
Interessen. Sie sind dort für elementare Werte, die sie gleichzeitig
praktizieren. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem, was sie tun, und dem,
was sie repräsentieren.«14
Eine Aktivistin der Yekîtiya Star-Koordination erklärt, dass es dem Model
der Basisdemokratie in Rojava nicht darum geht, den Menschen vorzuschreiben,
was zu tun ist oder ihnen irgendwelche Ideologien aufzudrängen: »Wir klopfen
nicht an Türen und erzählen den Leuten, dass sie falsch liegen. Stattdessen
versuchen wir ihnen zu erklären, dass sie sich selbst organisieren können, und
geben ihnen die Mittel, ihr Leben selbstzubestimmen.« Wie bereits zu Beginn
erwähnt, hängen Militärkultur und Patriarchat eng miteinander zusammen. Aus
diesem Grund ist vor allem das Bewusstsein innerhalb der Verteidigungskräfte
von großer Bedeutung. Einer der Hauptbestandteile der Ausbildung der YPG und
YPJ Einheiten, sowie der inneren Sicherheitskräfte (asayish) ist politische
Bildung. Die Hälfte davon konzentriert sich auf die Befreiung der Frau.
In den für alle Frauen zugänglichen Frauenakademien in Rojava, in denen
auch Seminare für Männer angeboten werden, artikulieren Frauen ihre eigenen
Kritiken der Sozialwissenschaften und diskutieren Wege, Wissen von Macht zu
trennen. Die kurdische Bewegung um die PKK kritisiert die Hegemonie
positivistischer Wissenschaftsauffassungen und versucht, die Beziehungen
zwischen Wissen und Macht zu verstehen, die sie dafür verantwortlich machen,
dass die expliziten Verbindungen zwischen verschiedenen Formen der
Unterdrückung und Gewalt versteckt werden, sodass der Glaube an eine
andere Welt erlischt und das globale System als die natürliche Ordnung
perpetuiert wird.
Öcalans Vorschlag folgend, eine wissenschaftliche Methode zu entwickeln,
die eine Alternative zur hegemonialen Auffassung der Wissenschaften, vor allem
der sozialen Wissenschaften bildet – eine die nicht nur darauf aus ist,
Phänomene des menschlichen Zusammenlebens bloß zu kategorisieren und
voneinander isoliert zu analysieren, indem sie Unmengen von wissenschaftlichen
Branchen kreiert. Diese Alternative soll stattdessen dazu dienen, soziale
Probleme umfassend zu verstehen, um somit ebenfalls Lösungen vorzuschlagen.
Menschen sind nämlich nicht nur Forschungsobjekte, sondern selbstständig
denkende Organismen, die sich selbst verstehen und somit auch zu ihren Lösungen
beitragen können. Eine „Soziologie der Freiheit“, um die Stimmen und
Erfahrungen der Unterdrückten und vor allem der Frauen einzubinden, soll
angestrebt werden. In diesem Zusammenhang beschäftigt sich die kurdische
Frauenbewegung mit theoretischen Debatten um das Konzept der „Jineologie”, der
Wissenschaft der Frauen (jin, kurdisch: Frau).
Während einige Feministinnen im Westen bizarrerweise der Meinung sind,
Frauen in Rojava kämpfen, um dem Westen die Botschaft zu senden, sie vertreten
westliche Werte15, kritisieren die Frauen in Rojava die Auffassung,
Frauen im Westen seien emanzipierter als sie. Der Westen habe kein Monopol auf
Werte wie Gleichberechtigung. »Wir glauben absolut nicht, dass Frauen im Westen
freier sind als wir. Es gibt keine individuelle Freiheit, wenn die Gesellschaft
versklavt ist«, so eine Aktivistin der Yekîtiya Star.
Fragen wie „Wie können wir die ungeschriebene, unsichtbare Geschichte der
Frau entdecken und gegebenenfalls neu schreiben? Wie wird Wissen angeeignet?
Welche Methoden können wir zur Erkenntnisgewinnung nutzen, wenn die
Wissenschaften und Wissensproduktion von heute dazu dienen, den Status quo
aufrechtzuerhalten?“ werden intensiv diskutiert. Der Dekonstruktion des
Patriarchats und anderer Formen der Unterjochung, Dominierung und Gewalt folgen
Diskussionen darüber, wie eine Alternative aufgebaut werden kann, die auf
freiheitlichen Werten und der Lösung von Freiheitsproblemen beruht. Jineologie
versteht sich nicht als die Antwort, sondern als eine Methode, solche Fragen zu
ergründen.
Indem Geschichte und Geschichtsschreibung analysiert werden, versucht
Jineologie beispielsweise von den philosophischen Brüchen in Mythologien und
Religionen zu lernen, kommunalistische Formen sozialer Organisation im
Neolithikum zu verstehen und die Beziehungen zwischen Produktionsbedingungen
und Gesellschaftssystemen zu ergründen, wie der Systematisierung des
Patriarchats mit der Entstehung von Anhäufung von Produkten und
Privatbesitz.
Der Widerstand der kurdischen Frauen ist also nicht nur ein militärisch
existentieller Kampf gegen den IS, sondern eine politische Haltung gegenüber
der patriarchalen sozialen Ordnung. Und obwohl die soziale Revolution in Rojava
oft vom Mainstream ignoriert wird, ist es diese Haltung, die trotz der über
Wochen anhaltenden Prophezeiungen, Kobanê würde jeden Moment fallen, die Stadt
aufrechterhalten hat.
Erst wenn man sich mit der Position und den organisatorischen Praktiken der
PKK befasst, ist es möglich, die Massenmobilisierung der Frauen in Kobane zu
verstehen. Sie ist nicht aus dem nichts entstanden, sondern beruht auf
bestimmten Prinzipien und betrachtet sich als die Weiterführung der Tradition,
die die Frauen der PKK angefangen haben.
Banalisierung eines radikalen Kampfes
In einer Ära, in der imperialistische Frauen in Machtpositionen versuchen,
ungerechte Kriege damit zu rechtfertigen, dass Frauen in sogenannten
DritteWelt-Ländern “gerettet” werden müssen, während rassistische, islamophobe,
chauvinistische Gruppen der Meinung sind, die Interessen von Frauen im Nahen
Osten zu vertreten, durch sensationalistische egozentrische Aktionen, die sie
als radikal bezeichnen und in der extremer Individualismus und Konsum als
Emanzipation betrachtet werden, haben die Frauen in Rojava radikalen Widerstand
reartikuliert, indem sie es ablehnten, mit den Prämissen der globalen
patriarchalen, kapitalistischen Nationalstaatsordnung einherzugehen, das Tabu
der militanten Frau brachen, durch legitime Selbstverteidigung das Monopol der
Gewalt vom Staat dissoziierten und gegen eine brutale Organisation nicht als
Proxys imperialistischer Mächte, sondern für ihre eigene Befreiung, nicht nur
vom Staat, sondern von den repressiven Strukturen ihrer eigenen Gemeinde,
kämpften.
Ohne diese kollektive Bemühung, das Bewusstsein der Gesellschaft zu
stärken, zuvor verstummte Menschen in politische Subjekte zu transformieren,
Demokratie nicht nur als Ziel, sondern auch als Methode zu betrachten, hätte
Kobane nicht so lange standhalten können. Daher kann die ideologische und
politische Mobilisierung der Bevölkerung in Rojava nicht in Isolation von ihren
Siegen gegen den IS betrachtet werden. Das ist der Grund weswegen kurdische
Frauen lächelnd gegen die frauenmordenden Vergewaltiger des IS in den Kampf
ziehen: die Aussicht auf ein freies Leben, jenseits von Staat, Macht und
Nationalismus.
Die Entschlossenheit, die zwischen den zwei Fingern schwingt, die ältere
Frauen mit traditionellen Gesichtstattoos in ihren bunten traditionellen Kleidern
zum Victory-Zeichen heben, ist revolutionär. Die Tatsache, dass diese Frauen,
die zuvor in vier Wände gepfercht ohne ihre Rechte leben mussten, nun an
Fernsehprogrammen, Volksräten, der Wirtschaft teilnehmen, sich in
allen Bereichen des sozialen Lebens organisieren, zum ersten Mal in ihrer
eigenen Sprache lesen und schreiben lernen und dadurch heute eine 70-jährige
Frau ohne Bildung als Lehrerin traditionelle Volksmärchen in der Mesopotamien
Akademie für Sozialwissenschaften in Qamishlo erzählt, um die Geschichtsschreibung
der hegemonialen Mächte und der positivistischen Wissenschaftsdefinition
herauszufordern, ist ein radikaler Akt des Ungehorsams gegenüber des früheren
faschistischen Regimes und der Ansprüche des IS, die Frauen und Kulturen des
Nahen Ostens zu vernichten. Den monopolistischen Bestrebungen ihrer Feinde
entgegen, bauen die Menschen in Rojava eine diverse, bunte Gesellschaft der
Vielfalt auf. Anstatt die Person an der Führung zu ersetzen, lehnen die Frauen
in Rojava die Parameter des globalen Systems gänzlich ab und konstruieren ihre
eigenen Standards.
Kurdische Frauen kämpfen (derzeit) gegen den türkischen Staat, die
zweitgrößte NATO-Armee mit ihrer hypermaskulinen Militärstruktur und einen
Präsidenten, der an Frauen appelliert, mindestens drei Kinder zu gebären,
während er offen die Meinung vertritt, Männer und Frauen seien nicht
gleichberechtigt, gegen das iranische Regime, das Frauen, angeblich im Namen
des Islams, entmenschlicht, gegen die syrische Armee, die Vergewaltigung als
systematisches Kriegsmittel nutzt und gegen Dschihadisten, denen für ihre
barbarische Taten 72 Jungfrauen im Paradies versprochen werden. Aber abgesehen
davon kämpfen diese Frauen gegen das unerträgliche Patriarchat in der
kurdischen Gesellschaft selbst. Gegen Kinderheirat, Zwangsheirat, Ehrenmorde,
häusliche Gewalt und Vergewaltigungskultur.
Nicht nur bewaffnete Selbstverteidigung, sondern politische Mobilisierung
und soziale Emanzipation können eine wahrhaftig nachhaltige transformative
Kraft sein, die der IS-Mentalität entgegenwirkt. Die Frauenbewegung in Rojava
bildet also nicht aus militärisch-waffentechnischen Gründen eine Gefahr für den
IS, sondern weil ihre Ideologie, ihr Freiheitskampf das Potential hat, die
Hegemonialansprüche des IS komplett zu zerstören. Gleichzeitig versucht sie
durch aktive Mobilisierung der Basis und durch Bildung, die milderen Ausdrücke
der Mentalität, die dem IS zugrunde liegen, in der eigenen Gesellschaft zu
eliminieren. Es ist sehr bequem, kurdischen Frauen nun als sympathische Feinde
des IS zu porträtieren, ohne die Prinzipien, die ihrem Widerstand zugrunde
liegen, anzuerkennen. Die Depolitisierung des Widerstands in Kobane beraubt die
Kämpfer_innen ihrer Autonomie und instrumentalisiert ihre kollektive
Mobilisierung und ihren Mut für die Interessen der Koalition, die aus Staaten
besteht, die den Widerstand in Rojava zuvor ignoriert und marginalisiert
hatten. Die furchtlosen Frauen Kurdistans zu exotisieren und romantisieren,
ohne ihre politischen Ziele zu unterstützen, kommt vielen gelegen. Doch wenn
man sich tatsächlich mit den Frauen, die lächelnd gegen den IS kämpfen,
solidarisieren will, sollte man vielleicht damit beginnen, sich zu fragen,
warum die Bewegung, die ihre Weltanschauung vertritt, international als
terroristisch eingestuft wird. In den Worten eines Autors auf Huffington Post:
»Man ist gezwungen zu denken, dass der Westen – Konservative, Liberale und
Mainstream Linke gleichermaßen – das, wofür die PKK kämpft, stärker fürchtet
als das, wogegen sie kämpft.«16
Während sie gegen die faschistische Weltanschauung des IS kämpfen,
hinterfragen die Akteure der Rojava Revolution ebenfalls das System, das zur
Entstehung dieser mörderischen Gruppe beigetragen hat, und bauen zugleich die
Grundlagen einer alternativen, freien Gesellschaft auf. In den Worten eines
Banners im Stadtzentrum Qamislos: “Wir werden die Angriffe des IS besiegen,
indem wir die Freiheit der Frauen im Nahen Osten garantieren.“
Fußnoten
1 Hipkins and Plain, 2007, p.15
2 Flach, 2007, p.16
3 Marshall, 2007, p. 52
4 Enloe, 1988, p.149
5 Eisenstein, 2007, p.31
6 UNO Report, 2014
7 Varghese, 2014
8 Westrheim, 2008, p.27
9 Enloe, 2000, p.245
10 Öcalan, 2011, 16-17
11 Öcalan, 2011, p.17
12 Öcalan, 2013, p.59
13 Gürcanli, 2014
14 Staal, 2014
15 Githis, 2014
16 Manoharan, 2015
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