Wednesday, December 16, 2015

Die Frauenrevolution in Rojava

Foto: Dilar Dirik, Qamishlo

Dieses Kapitel erschien ursprünglich im Buch „Kampf um Kobane“ im Septermber 2015, herausgegeben vom Assemblage Verlag.

»In unserem Kampf geht es nicht nur darum, unser Land zu verteidigen. Als Frauen nehmen wir in allen Bereichen des Lebens teil, ob wir gegen den IS oder gegen Sexismus und Gewalt an Frauen kämpfen.« YPJ-Kommandeurin Jiyan Afrin


„Tilililili!“ – die Finger zum Victory-Zeichen gespreizt, verlässt eine Gruppe älterer Frauen in traditioneller kurdischer Tracht ein Gebäude in Qamislo, nachdem sie in einem Fernsehprogramm teilgenommen hat. Ähnliche bunte Momente ereignen sich überall in der Stadt, lassen einen vergessen, dass es sich hierbei um das ansonsten physisch und politisch verwüstete Syrien handelt. Gigantische Banner schmücken den Himmel: »Die Rojava Revolution ist eine Frauenrevolution.« 

Seit dem Widerstand in Kobanê wurde der Kampf der kurdischen Frauen gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) ins Licht der Medien gerückt. Obwohl kurdische Frauen seit Jahrzehnten bewaffnete Kämpfe gegen verschiedene Staaten und Systeme führen, hat der aktuelle Widerstand gegen eine explizit frauenvernichtende Organisation, die sich mit Sexsklaverei rühmt, auch den Mainstream fasziniert. 
Die Parole »Die Dschihadisten haben Angst vor kurdischen Frauen, weil sie, wenn sie von Frauen getötet werden, nicht in den Himmel kommen« ist mittlerweile zu einem Standardsatz in jedem Artikel oder jeder Reportage geworden. Doch solche Schwarz-Weiß-Malereien banalisieren die Komplexitäten des Widerstands der kurdischen Frauen, die selbst aus einer feudal-patriarchal geprägten Gesellschaft kommen, gegen die systematische Vergewaltigungskultur des IS. 
Indem diese Frauen als mysteriöse Amazonen exotisiert werden, werden sie dem kapitalistischen Wertesystem entsprechend politisch sterilisiert und vermarktet. Doch in Anbetracht der radikal-demokratischen politischen Ziele der in Rojava kämpfenden Frauen, ist es fraglich, ob der Mainstream und seine Modezeitschriften, die den Kampf kurdischer Frauen nun für ihre eigenen Zwecke aneignen, auch die Gedanken dieser mutigen Kämpferinnen zu unterstützen bereit sind. Immerhin steht die Ideologie, die diese Frauen antreibt, auf der Terrorliste der Türkei, USA und EU …

Frauen sind oft aktiv in nationalen und revolutionären Befreiungsbewegungen, doch wird die Lösung der sozialen Situation von Frauen oft auf die Zeit nach der “Befreiung” oder “Revolution” verschoben, da die generelle Befreiung der Gesellschaft als Priorität betrachtet wird. Doch sobald die sogenannte generelle Freiheit erreicht zu sein scheint, werden Frauen oft vergessen. Obwohl Kriegs- und Krisensituationen Frauen oft von restriktiven gesellschaftlichen Rollen emanzipieren, erfahren Frauen später meist eine Rückkehr der Tradition, die sie in die Häuser zurückschicken will. Manchmal geht es ihnen im Nachhinein sogar schlechter, weil die Festigung von Genderrollen und Konservatismus oft als notwendig betrachtet wird, um die „Normalität“ der Vorkriegszeit wiederherzustellen.1
Der Kampf der kurdischen Frauenbewegung zielt jedoch nicht nur auf den IS ab, sondern richtet sich ebenfalls gegen das Patriarchat der eigenen Gemeinde und versucht, eine alternative Gesellschaft aufzubauen. Der Widerstand gegen den IS geht weit über das Schlachtfeld hinaus: Man kann davon sprechen, dass sich zurzeit vor allem in Kobanê nicht nur zwei unterschiedliche Kampfparteien gegenüberstehen, sondern zwei komplett polare Gedankensysteme und Weltverständnisse. 

Wenn Frauen zur Waffe greifen … 
Bevor ich mich mit der ideologischen und organisatorischen Struktur der Frauenrevolution in Rojava und der kurdischen Frauenbewegung befasse, sollte festgestellt werden, dass es nicht nur im Nahen Osten, sondern überall auf der Welt, als ein radikaler Tabubruch gilt, wenn Frauen zur Waffe, dem traditionellen Macht- und Statussymbol des Mannes greifen.2 Der Schock, den dieser Zustand verursacht beruht nicht etwa auf pazifistischen Begründungen, sondern auf traditionellen, essentialistischen binären Vorstellungen von „Frausein“ und „Weiblichkeit“. Militant zu sein gilt als unattraktiv, unnatürlich und „unweiblich“, denn es überschreitet soziale Grenzen und rüttelt an den Grundlagen des Status quo, der sich an traditionellen Geschlechterrollen orientiert. Beispielsweise wird militanten Frauen vorgeworfen, die „Heiligkeit der Familie“ zu verletzen, da Kriegsführung als Gegenteil von Mutterschaft betrachtet wird. Obwohl solche Rollenverteilungen oft den Anschein erwirken, Frauen moralische Überlegenheit zu attributieren, ist offensichtlich, dass die Verletzung dieser Rollen mit sozialer Bestrafung einhergeht.3 Es sind nicht Krieg oder Gewalt selbst, sondern die Gefährdung strikter sozialer Strukturen, die für dieses Unbehagen gegenüber militanten Frauen verantwortlich ist. Überall auf der Welt sind widerstandleistende Frauen sexualisierter Gewalt ausgesetzt, da ihre Militanz als ein Angriff auf die Maskulinität von Staats- und Militärstrukturen und der damit verbundenen sozialen Ordnung betrachtet wird. Frauen werden durch sexuelle Gewalt also dafür bestraft, sich in eine für männliche Privilegien vorbehaltene Sphäre gewagt zu haben. Dies hat selbstverständlich weniger mit Sex als mit Machtausübung zu tun - das Gegenüber wird durch diese Art von Missbrauch dominiert und gedemütigt.4 

Aus diesem Grund wird oft versucht, die Bedeutung von Frauenkämpfen zu verleugnen. In Kurdistan haben verschiedene staatliche, aber auch soziale Systeme wie feudale Strukturen versucht, den Kampf der Frauen, oft durch die Kombination von Sexismus mit Rassismus, zu untergraben. Wenn kurdische Guerillakämpferinnen nicht gerade beschuldigt wurden, den männlichen Kämpfern als Sexsklaven zu dienen, wurden ihnen Irrationalität, Emotionalität oder Verzweiflung nachgesagt – typische sexistische Mittel, um das Verhalten von Frauen zu erklären, wenn es einem nicht passt.5 Sie zögen in den Kampf, um ihrer unterdrückenden, rückständigen Kultur zu „entfliehen“. Während staatsnahe Medien, insbesondere in der Türkei und im Iran, Guerillakämpferinnen als „Sexspielzeuge der Terroristen“ oder als Gefahr für traditionelle Wertevorstellungen wie der klassischen Familie darstellen, um ihren Kampf zu delegitimieren, bezeichneten westliche Medien diese Frauen bis vor kurzem als Opfer, die einen Ausweg aus ihrer rückständigen Kultur suchen. Es sei nicht etwa die Ungerechtigkeit des Systems oder politisches Bewusstsein, das sie dazu veranlasst zur Waffe zu greifen, sondern der Wunsch einem Leben voller Ehrenmorde und Kinderheirat zu entkommen. Hierbei spielen orientalistische Einstellungen, die nicht dazu fähig sind, nahöstliche Frauen als selbstbestimmende Subjekte zu betrachten, eine große Rolle. Diese „Erklärungen“ für die Militanz kurdischer Frauen basieren nicht nur auf purer Spekulation, da kurdische Frauen selbst konkrete und in der Tat politisch bewusste Motive für ihre Entschlossenheit angeben, sondern sind des Weiteren nicht in der Lage zu erklären, wie die kurdische Bewegung eine massive basisorientierte Frauenbewegung mobilisiert hat, die die Mentalität der Gesellschaft herausgefordert und dabei Frauen in der breiteren Gesellschaft gestärkt hat, sodass die Präsenz von Frauen in Parlamenten, Verwaltungen, auf den Straßen und an der Front heute in Kurdistan als normaler Alltag gilt. 

Der Feminizid des Islamischen Staates 
Um den Kampf der kurdischen Frauen gegen den IS verstehen zu können, muss außerdem festgestellt werden, dass der IS explizit Frauen den Krieg angesagt hat. Verschleppungen, Zwangsehen, Vergewaltigungen, Sexsklaverei und alle Arten sexueller Gewalt werden als systematisches Kriegsmittel genutzt.6 Frauen werden in ein oder zwei Stunden dauernden so genannten „Dschihad-Ehen“, mit „religiösem Segen“ vergewaltigt. Der IS habe es für „halal“ (d. h. religiös „zulässig“) erklärt, Frauen auf der Seite des Feindes zu vergewaltigen. Hierbei werden vorhandene Bedingungen der Gesellschaft, wie Religion für eigene Zwecke instrumentalisiert. Ein Beispiel dafür ist die aktive Ausnutzung des Begriffes der „Ehre“, der in der Region vor allem um den Körper und die Sexualität von Frauen formuliert wird. Die patriarchalen Strukturen der Region sorgen dafür, dass viele Frauen, die die sexuelle Gewalt des IS überleben, von ihren Familien abgelehnt, teilweise sogar ermordet werden, um die „Ehre“ der Familie wiederherzustellen. Es wird berichtet, dass viele Frauen Selbstmord begangen haben, um nicht in die Hände des IS zu fallen. Gefangen gehaltene Frauen, die an Telefone gekommen sind, flehten die Welt an, die Gebäude in denen sie festgehalten werden, zu bombardieren.7 Der IS ist sich bewusst, dass er durch seine sexuelle Aggression religiöse und ethnische Gemeinden »verunreinigt«. Dies dient nicht nur der Auslöschung gesamter Gemeinden wie den Eziden - Es ist deutlich, dass diese Kriegsführung eine systematische, spezielle Form der Gewalt darstellt: Feminizid.

Wenn wir uns also den explizit sexualisierten Charakter von Krieg und Gewalt überall auf der Welt anschauen und dabei im Kopf behalten, dass Frauen oft nach der “Befreiung” im Stich gelassen werden, was können wir über die Befreiung der Frau aus einer radikalen Perspektive feststellen? Was steckt hinter dem Kampf der kurdischen Frauen?
 Ein philosophischer Widerstand…

 »Wir sind nicht bloß Frauen, die gegen den IS kämpfen. Wir kämpfen, um die Mentalität der Gesellschaft zu verändern und der Welt zu zeigen, wozu Frauen fähig sind. Wir wollen nicht, dass die Welt uns nur wegen unserer Waffen kennt. Wir wollen, dass sie unsere Ideen kennen« sagt mir Sozda, eine Kommandeurin der YPJ (Frauenverteidigungseinheiten) in Amûde und deutet auf die Bilder, die im Gemeinschaftsraum ihrer Brigade hängen: Guerilla-Kämpferinnen der PKK und Abdullah Öcalan, der auf der Gefängnisinsel Imrali gefangene ideologische Vorsitzende der Partei.
»Seit ihrer Gründung in den späten Siebzigern wurde die Arbeiterpartei Kurdistans, die PKK, nicht nur zu einer Herausforderung türkischer Behörden, sondern ebenfalls für kurdische Traditionalisten, die die Genderstruktur innerhalb kurdischer Gesellschaften, die hauptsächlich von Anführern von Familienverbänden und Großgrundbesitzern geführt wurden, beibehalten wollten.«8

Die Befreiung der Frau galt von Anfang an als ein Ziel der PKK; dies manifestiert sich sowohl in ihrer Ideologie, als auch in ihrer Organisation. Viele nationalistische Projekte versuchen sich durch die Hypermaskulinisierung der sogenannten Nation zu etablieren. Vor allem bei der Betrachtung kolonialer Zusammenhänge zeigt sich, wie diese eigene Überhöhung mit einer Entmaskulinisierung der zu unterdrückenden Gesellschaften einhergeht“. Das hat bei vielen nationalen Befreiungsbewegungen dazu geführt, eine strikte Linie zwischen „Heim“ und „Front“ zu ziehen, Männern das Privileg der Bürgerschaft erster Klasse zu übergeben und Frauen, die sich außerhalb der ungeschriebenen Markierungen der sozialen Ordnung bewegen, zu bestrafen.9 Interessanterweise identifiziert Öcalan Maskulinität jedoch als eines der Kernprobleme der Gesellschaft:
»Der Mann wurde zum Staat und verwandelte diesen in die dominante Kultur. Klassen und sexuelle Unterdrückung entwickelten sich gemeinsam; Die Männlichkeit hat das herrschende Geschlecht, die herrschende Klasse und den herrschenden Staat erzeugt. Wenn der Mann in diesem Zusammenhang analysiert wird, ist es klar, dass die Männlichkeit getötet werden muss. In der Tat ist es das Grundprinzip des Sozialismus, den dominanten Mann zu töten. Das Töten der Macht bedeutet: die einseitige Dominanz, die Ungleichheit und die Intoleranz zu töten. Darüber hinaus bedeutet es, Faschismus, Diktatur und Despotismus zu töten.«
Befreiung des Lebens: Die Revolution der Frau, Abdullah Öcalan (S. 55)

Öcalan sieht deutliche Verbindungen zwischen verschiedenen Institutionen der Macht: »Gesellschaftlich verankerter Sexismus ist genau wie Nationalismus ein ideologisches Produkt von Macht und Nationalstaat. Gesellschaftlich verankerter Sexismus ist nicht weniger gefährlich als Kapitalismus.«10 Das Patriarchat, der Kapitalismus und der Staat seien die Wurzel der Unterdrückung, Dominierung und Macht: »Folglich ist die Frau gesellschaftshistorisch eine kolonisierte Nation, die im Nationalstaat ihre unvorteilhafteste Position erreicht hat. Alle Macht- und Staatsideologien sind auf sexistische Einstellungen und Verhaltensweisen zurückzuführen. Die Versklavung der Frau stellt einen im höchsten Maße verborgenen und verschleierten gesellschaftlichen Bereich dar, in dem alle Formen von Sklaverei, Unterdrückung und Kolonisierung realisiert sind. Kapitalismus und Nationalstaat agieren im vollsten Bewusstsein dessen. Ohne Versklavung der Frau kann keine der anderen Formen von Sklaverei bestehen, geschweige denn sich entfalten. Kapitalismus und Nationalstaat kennzeichnen den weitest institutionalisierten dominanten Mann. Deutlicher gesagt: Kapitalismus und Nationalstaat sind der Monopolismus des despotischen und ausbeuterischen Mannes.«11 Aus diesem Grund empfindet er eine bewusste und autonome Frauenmobilisierung als unabdingbar.
Selbstverständlich produziert die Frauenbewegung ihre eigenen Theorien und Kritiken, doch es ist erstaunlich, dass ein männlicher Vorsitzender einer nahöstlichen Bewegung die Befreiung der Frau als einen zentralen und kritischen Maßstab der Freiheit betrachtet und diese über die Befreiung der Nation stellt.12

Obwohl die Befreiung der Frau von Anfang an als ein Kernbestandteil der PKK gilt, fand die autonome Organisation der Frauenbewegung zeitgleich mit dem Paradigmenwechsel der Partei vom Ziel eines unabhängigen Staates in Richtung basisdemokratischer Mobilisierungsformen der Demokratischen Autonomie statt. Als der Zusammenhang zwischen verschiedenen Formen der Unterdrückung identifiziert, die repressiven Annahmen und Mechanismen des etatistischen Systems aufgedeckt und Alternativen zum hegemonialen System gesucht wurden, wurde durch Autonomisierung die Befreiung der Frau als kompromissloses Prinzip artikuliert. Anstatt soziale Gerechtigkeit in von Staaten gewährten Konzepten wie legalen Rechten zu suchen, kam die Bewegung zur Erkenntnis, dass der Weg zur Befreiung zunächst einmal eine umfassende radikale Kritik des Systems erfordert. Anstatt die Bürde auf die Schultern von Frauen zu legen, wird die Befreiung der Frau zur Verantwortung der Gesellschaft gemacht, weil an ihr die Ethik und Freiheit der demokratischen Gesellschaft gemessen wird. Für einen bedeutsamen Freiheitskampf soll die Frauenbefreiung nicht nur ein Ziel, sondern eine aktive Methode des Befreiungsprozesses sein. Wirkliche soziale Veränderung von denselben Mechanismen wie denen des Staates, welche Vergewaltigungskultur und Gewalt an Frauen erleichtern oder gar möglich machen, zu erwarten, würde eine Kapitulation gegenüber dem Liberalismus mit seinen feministischen und demokratischen Vortäuschungen sein.
Heute teilt die kurdische Bewegung, die der Ideologie der PKK nahesteht, politische Positionen auf zwei Ko-Vorsitzende, jeweils einer Frau und einem Mann, auf – von Parteispitzen bis zu Nachbarschaftsräten. Dies zielt nicht nur darauf ab, Frauen und Männer gleich zu repräsentieren, sondern Macht zu dezentralisieren, Monopolismus entgegenzuwirken und konsensorientierte Entscheidungen zu motivieren. Die Frauenbewegung ist in allen Bereichen autonom organisiert, sozial, politisch, militärisch. Dadurch sind beispielsweise die meisten Frauen im türkischen Parlament und in den Lokalverwaltungen heute Kurdinnen13. Während organisatorische Prinzipien wie Ko-Vorstände und Quoten darauf abzielen, Frauen Repräsentation zu garantieren, ist massive soziale und politische Mobilisierung an der Basis durch Rätedemokratien und Selbstverwaltungsstrukturen (oft durch den türkischen Staat als Separatismus kriminalisiert) für die Stärkung des gesellschaftlichen Bewusstseins verantwortlich. 

Den IS durch die Mobilisierung der Frau bekämpfen …
Von diesen Prinzipien inspiriert wenden auch die drei Kantone Rojavas, die im Januar 2014 für autonom erklärt wurden, Quoten und das Prinzip des Ko-Vorstands an und bildeten autonome Frauenverteidigungseinheiten, -kommunen, -akademien, -tribunale und -kooperativen. Anfang 2013 beschloss die YPJ (Frauenverteidigungseinheiten) sich autonom von der YPG (Volksverteidigungseinheiten) zu organisieren. Schätzungen zufolge gibt es momentan mindestens 15.000 YPJ-Kämpferinnen in Rojava. Brigaden gibt es in jeder Stadt. Auch in den Reihen der innere Sicherheitskräften (asayish) sind viele Frauen vertreten. Die Dachorganisation der Frauenbewegung Yekîtiya Star ist in allen Bereichen des Lebens autonom organisiert, von Verteidigung über Wirtshaft, Bildung und Gesundheit. Autonome Frauenräte existieren parallel zu den Volksräten auf allen Ebenen und haben das Recht, gegen die von den Volksräten getroffenen Entscheidungen Vetos einzulegen. Männer, die als gewalttätig auffallen, werden von der Verwaltung ausgeschlossen. Sexistische Diskriminierung, Zwangsehen, Kinderheirat, häusliche Gewalt, Ehrenmorde und Brautpreise wurden bereits zu Beginn der Gründung der Verwaltung kriminalisiert. Viele nichtkurdische Frauen, vor allem Araberinnen und Assyrerinnen, haben sich den militärischen Reihen, sowie der Verwaltung in Rojava angeschlossen und werden angeregt, sich ebenfalls autonom zu organisieren, um die spezifischen Situationen ihrer Gemeinden zu adressieren. Als ich die YPJ Brigade in Amude besuchte, fragte ich die Kämpferinnen, ob sich unter ihnen auch Araberinnen befinden. Erstaunt antworteten sie: „Natürlich sind hier arabische Frauen. Fünf unserer 30 Kämpferinnen sind Araberinnen”. Was für mich faszinierend war, war für sie so selbstverständlich, dass sie es nicht für nötig gehalten hatten, es zuvor zu erwähnen!
Auch wenn es noch zu früh ist, fundamentale Veränderungen in wirtschaftlichen Bedingungen zu prophezeien, vor allem da das Embargo und der allgegenwärtige Krieg die Überlebensökonomie Rojavas, in der die meisten als freiwillige Kader arbeiten, bestimmen, sind bereits viele Projekte und Initiativen sichtbar, die darauf abzielen, Frauen wirtschaftlich zu emanzipieren. Soziale Emanzipation hängt schließlich unmittelbar mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zusammen. Die Frauenbewegung hat zahlreiche Frauenkooperativen gegründet, von Agrikultur zu Textilien. Vor allem Frauen, die ihre Angehörigen verloren haben, sollen wirtschaftlich rehabilitiert werden, indem ihnen Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten angeboten werden.
So progressiv die bereits erwähnten Organisationsprinzipien auch sein mögen, würden sie nicht viel bedeuten, wenn die Mentalität der Gesellschaft gleichbleibt - Werte wie die Gleichberechtigung der Geschlechter müssen von der Gesellschaft verinnerlicht werden, wenn tatsächlich gesellschaftlicher Wandel bewirkt werden soll. Aus diesem Grund ist klar, dass Revolution zuerst im Kopf beginnen muss.
In allen möglichen Bereichen der sozialen Bewegung identifizieren die Akteure der Revolution, die Überwindung der unterwürfigen unkritischen Mentalität, die das Regime systematisch in den Köpfen der Bevölkerung verankert hat, als die schwierigste Hürde der Revolution. Die Hinterfragung von Autorität und Diskussionen über alternative Wege der gemeinschaftlichen Organisation müssen zu einer Kultur der Demokratie werden.
Durch Bildung soll die gesamte Bevölkerung politisch bewusst gemacht werden. Salih Muslim, der Ko-Vorsitzende der Partei der Demokratischen Union (PYD) sieht die kapitalistische Demokratie im Kontrast zu den nachhaltigen Zielen der demokratischen Autonomie: »Es geht darum, die Gesellschaft zu politisieren: das ist der Kern zur Bildung der demokratischen Autonomie. In Europa findet ihr eine Gesellschaft, die nicht politisiert ist. Politische Parteien drehen sich um Überzeugung und individuelle Interessen, nicht um wahre Emanzipation und Politisierung. Wahre Demokratie basiert auf einer politisierten Gesellschaft. Wenn ihr jetzt nach Kobanê geht und die Kämpfer*innen der YPG und YPJ trefft, werdet ihr sehen, dass sie ganz genau wissen, warum und wofür sie kämpfen. Sie sind nicht dort für Geld oder Interessen. Sie sind dort für elementare Werte, die sie gleichzeitig praktizieren. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem, was sie tun, und dem, was sie repräsentieren.«14
Eine Aktivistin der Yekîtiya Star-Koordination erklärt, dass es dem Model der Basisdemokratie in Rojava nicht darum geht, den Menschen vorzuschreiben, was zu tun ist oder ihnen irgendwelche Ideologien aufzudrängen: »Wir klopfen nicht an Türen und erzählen den Leuten, dass sie falsch liegen. Stattdessen versuchen wir ihnen zu erklären, dass sie sich selbst organisieren können, und geben ihnen die Mittel, ihr Leben selbstzubestimmen.« Wie bereits zu Beginn erwähnt, hängen Militärkultur und Patriarchat eng miteinander zusammen. Aus diesem Grund ist vor allem das Bewusstsein innerhalb der Verteidigungskräfte von großer Bedeutung. Einer der Hauptbestandteile der Ausbildung der YPG und YPJ Einheiten, sowie der inneren Sicherheitskräfte (asayish) ist politische Bildung. Die Hälfte davon konzentriert sich auf die Befreiung der Frau.
In den für alle Frauen zugänglichen Frauenakademien in Rojava, in denen auch Seminare für Männer angeboten werden, artikulieren Frauen ihre eigenen Kritiken der Sozialwissenschaften und diskutieren Wege, Wissen von Macht zu trennen. Die kurdische Bewegung um die PKK kritisiert die Hegemonie positivistischer Wissenschaftsauffassungen und versucht, die Beziehungen zwischen Wissen und Macht zu verstehen, die sie dafür verantwortlich machen, dass die expliziten Verbindungen zwischen verschiedenen Formen der Unterdrückung und Gewalt versteckt werden, sodass der Glaube an eine andere Welt erlischt und das globale System als die natürliche Ordnung perpetuiert wird.
Öcalans Vorschlag folgend, eine wissenschaftliche Methode zu entwickeln, die eine Alternative zur hegemonialen Auffassung der Wissenschaften, vor allem der sozialen Wissenschaften bildet – eine die nicht nur darauf aus ist, Phänomene des menschlichen Zusammenlebens bloß zu kategorisieren und voneinander isoliert zu analysieren, indem sie Unmengen von wissenschaftlichen Branchen kreiert. Diese Alternative soll stattdessen dazu dienen, soziale Probleme umfassend zu verstehen, um somit ebenfalls Lösungen vorzuschlagen. Menschen sind nämlich nicht nur Forschungsobjekte, sondern selbstständig denkende Organismen, die sich selbst verstehen und somit auch zu ihren Lösungen beitragen können. Eine „Soziologie der Freiheit“, um die Stimmen und Erfahrungen der Unterdrückten und vor allem der Frauen einzubinden, soll angestrebt werden. In diesem Zusammenhang beschäftigt sich die kurdische Frauenbewegung mit theoretischen Debatten um das Konzept der „Jineologie”, der Wissenschaft der Frauen (jin, kurdisch: Frau).

Während einige Feministinnen im Westen bizarrerweise der Meinung sind, Frauen in Rojava kämpfen, um dem Westen die Botschaft zu senden, sie vertreten westliche Werte15, kritisieren die Frauen in Rojava die Auffassung, Frauen im Westen seien emanzipierter als sie. Der Westen habe kein Monopol auf Werte wie Gleichberechtigung. »Wir glauben absolut nicht, dass Frauen im Westen freier sind als wir. Es gibt keine individuelle Freiheit, wenn die Gesellschaft versklavt ist«, so eine Aktivistin der Yekîtiya Star.
Fragen wie „Wie können wir die ungeschriebene, unsichtbare Geschichte der Frau entdecken und gegebenenfalls neu schreiben? Wie wird Wissen angeeignet? Welche Methoden können wir zur Erkenntnisgewinnung nutzen, wenn die Wissenschaften und Wissensproduktion von heute dazu dienen, den Status quo aufrechtzuerhalten?“ werden intensiv diskutiert. Der Dekonstruktion des Patriarchats und anderer Formen der Unterjochung, Dominierung und Gewalt folgen Diskussionen darüber, wie eine Alternative aufgebaut werden kann, die auf freiheitlichen Werten und der Lösung von Freiheitsproblemen beruht. Jineologie versteht sich nicht als die Antwort, sondern als eine Methode, solche Fragen zu ergründen.
Indem Geschichte und Geschichtsschreibung analysiert werden, versucht Jineologie beispielsweise von den philosophischen Brüchen in Mythologien und Religionen zu lernen, kommunalistische Formen sozialer Organisation im Neolithikum zu verstehen und die Beziehungen zwischen Produktionsbedingungen und Gesellschaftssystemen zu ergründen, wie der Systematisierung des Patriarchats mit der Entstehung von Anhäufung von Produkten und Privatbesitz. 

Der Widerstand der kurdischen Frauen ist also nicht nur ein militärisch existentieller Kampf gegen den IS, sondern eine politische Haltung gegenüber der patriarchalen sozialen Ordnung. Und obwohl die soziale Revolution in Rojava oft vom Mainstream ignoriert wird, ist es diese Haltung, die trotz der über Wochen anhaltenden Prophezeiungen, Kobanê würde jeden Moment fallen, die Stadt aufrechterhalten hat.
Erst wenn man sich mit der Position und den organisatorischen Praktiken der PKK befasst, ist es möglich, die Massenmobilisierung der Frauen in Kobane zu verstehen. Sie ist nicht aus dem nichts entstanden, sondern beruht auf bestimmten Prinzipien und betrachtet sich als die Weiterführung der Tradition, die die Frauen der PKK angefangen haben.

Banalisierung eines radikalen Kampfes

In einer Ära, in der imperialistische Frauen in Machtpositionen versuchen, ungerechte Kriege damit zu rechtfertigen, dass Frauen in sogenannten DritteWelt-Ländern “gerettet” werden müssen, während rassistische, islamophobe, chauvinistische Gruppen der Meinung sind, die Interessen von Frauen im Nahen Osten zu vertreten, durch sensationalistische egozentrische Aktionen, die sie als radikal bezeichnen und in der extremer Individualismus und Konsum als Emanzipation betrachtet werden, haben die Frauen in Rojava radikalen Widerstand reartikuliert, indem sie es ablehnten, mit den Prämissen der globalen patriarchalen, kapitalistischen Nationalstaatsordnung einherzugehen, das Tabu der militanten Frau brachen, durch legitime Selbstverteidigung das Monopol der Gewalt vom Staat dissoziierten und gegen eine brutale Organisation nicht als Proxys imperialistischer Mächte, sondern für ihre eigene Befreiung, nicht nur vom Staat, sondern von den repressiven Strukturen ihrer eigenen Gemeinde, kämpften.
Ohne diese kollektive Bemühung, das Bewusstsein der Gesellschaft zu stärken, zuvor verstummte Menschen in politische Subjekte zu transformieren, Demokratie nicht nur als Ziel, sondern auch als Methode zu betrachten, hätte Kobane nicht so lange standhalten können. Daher kann die ideologische und politische Mobilisierung der Bevölkerung in Rojava nicht in Isolation von ihren Siegen gegen den IS betrachtet werden. Das ist der Grund weswegen kurdische Frauen lächelnd gegen die frauenmordenden Vergewaltiger des IS in den Kampf ziehen: die Aussicht auf ein freies Leben, jenseits von Staat, Macht und Nationalismus.

Die Entschlossenheit, die zwischen den zwei Fingern schwingt, die ältere Frauen mit traditionellen Gesichtstattoos in ihren bunten traditionellen Kleidern zum Victory-Zeichen heben, ist revolutionär. Die Tatsache, dass diese Frauen, die zuvor in vier Wände gepfercht ohne ihre Rechte leben mussten, nun an Fernsehprogrammen, Volksräten, der Wirtschaft teilnehmen, sich in allen Bereichen des sozialen Lebens organisieren, zum ersten Mal in ihrer eigenen Sprache lesen und schreiben lernen und dadurch heute eine 70-jährige Frau ohne Bildung als Lehrerin traditionelle Volksmärchen in der Mesopotamien Akademie für Sozialwissenschaften in Qamishlo erzählt, um die Geschichtsschreibung der hegemonialen Mächte und der positivistischen Wissenschaftsdefinition herauszufordern, ist ein radikaler Akt des Ungehorsams gegenüber des früheren faschistischen Regimes und der Ansprüche des IS, die Frauen und Kulturen des Nahen Ostens zu vernichten. Den monopolistischen Bestrebungen ihrer Feinde entgegen, bauen die Menschen in Rojava eine diverse, bunte Gesellschaft der Vielfalt auf. Anstatt die Person an der Führung zu ersetzen, lehnen die Frauen in Rojava die Parameter des globalen Systems gänzlich ab und konstruieren ihre eigenen Standards.
Kurdische Frauen kämpfen (derzeit) gegen den türkischen Staat, die zweitgrößte NATO-Armee mit ihrer hypermaskulinen Militärstruktur und einen Präsidenten, der an Frauen appelliert, mindestens drei Kinder zu gebären, während er offen die Meinung vertritt, Männer und Frauen seien nicht gleichberechtigt, gegen das iranische Regime, das Frauen, angeblich im Namen des Islams, entmenschlicht, gegen die syrische Armee, die Vergewaltigung als systematisches Kriegsmittel nutzt und gegen Dschihadisten, denen für ihre barbarische Taten 72 Jungfrauen im Paradies versprochen werden. Aber abgesehen davon kämpfen diese Frauen gegen das unerträgliche Patriarchat in der kurdischen Gesellschaft selbst. Gegen Kinderheirat, Zwangsheirat, Ehrenmorde, häusliche Gewalt und Vergewaltigungskultur.
Nicht nur bewaffnete Selbstverteidigung, sondern politische Mobilisierung und soziale Emanzipation können eine wahrhaftig nachhaltige transformative Kraft sein, die der IS-Mentalität entgegenwirkt. Die Frauenbewegung in Rojava bildet also nicht aus militärisch-waffentechnischen Gründen eine Gefahr für den IS, sondern weil ihre Ideologie, ihr Freiheitskampf das Potential hat, die Hegemonialansprüche des IS komplett zu zerstören. Gleichzeitig versucht sie durch aktive Mobilisierung der Basis und durch Bildung, die milderen Ausdrücke der Mentalität, die dem IS zugrunde liegen, in der eigenen Gesellschaft zu eliminieren. Es ist sehr bequem, kurdischen Frauen nun als sympathische Feinde des IS zu porträtieren, ohne die Prinzipien, die ihrem Widerstand zugrunde liegen, anzuerkennen. Die Depolitisierung des Widerstands in Kobane beraubt die Kämpfer_innen ihrer Autonomie und instrumentalisiert ihre kollektive Mobilisierung und ihren Mut für die Interessen der Koalition, die aus Staaten besteht, die den Widerstand in Rojava zuvor ignoriert und marginalisiert hatten. Die furchtlosen Frauen Kurdistans zu exotisieren und romantisieren, ohne ihre politischen Ziele zu unterstützen, kommt vielen gelegen. Doch wenn man sich tatsächlich mit den Frauen, die lächelnd gegen den IS kämpfen, solidarisieren will, sollte man vielleicht damit beginnen, sich zu fragen, warum die Bewegung, die ihre Weltanschauung vertritt, international als terroristisch eingestuft wird. In den Worten eines Autors auf Huffington Post: »Man ist gezwungen zu denken, dass der Westen – Konservative, Liberale und Mainstream Linke gleichermaßen – das, wofür die PKK kämpft, stärker fürchtet als das, wogegen sie kämpft.«16
Während sie gegen die faschistische Weltanschauung des IS kämpfen, hinterfragen die Akteure der Rojava Revolution ebenfalls das System, das zur Entstehung dieser mörderischen Gruppe beigetragen hat, und bauen zugleich die Grundlagen einer alternativen, freien Gesellschaft auf. In den Worten eines Banners im Stadtzentrum Qamislos: “Wir werden die Angriffe des IS besiegen, indem wir die Freiheit der Frauen im Nahen Osten garantieren.“


Fußnoten 

1  Hipkins and Plain, 2007, p.15 
2  Flach, 2007, p.16 
3  Marshall, 2007, p. 52
4  Enloe, 1988, p.149 
5  Eisenstein, 2007, p.31 
6  UNO Report, 2014
7  Varghese, 2014
8  Westrheim, 2008, p.27
9  Enloe, 2000, p.245
10  Öcalan, 2011, 16-17
11  Öcalan, 2011, p.17
12  Öcalan, 2013, p.59
13  Gürcanli, 2014
14  Staal, 2014
15  Githis, 2014
16 Manoharan, 2015



Literatur 

Eisenstein, Zillah, 2007, Sexual Decoys: gender, race and war in imperial democracy (London & New York: Zed Books). 

Enloe, Cynthia H., 1988, Does Khaki become you? The Militarization of Women’s Lives (London: Pandora). 

Enloe, Cynthia H., 2000, Maneuvers : the international politics of militarizing women’s lives (Berkeley: University of California Press). 

Flach, Anja, 2007, Frauen in der kurdischen Guerrilla: Motivation, Identität und Geschlechterverhältnis in der Frauenarmee der PKK (Cologne: PapyRossa). 

Githis, Frida, 2014, Syria Kurds give women equality. Take that, ISIS!, Available at: CNN http://edition.cnn.com/2014/11/17/opinion/ghitis-kurdish-womensrights/ 

Gürcanli, Zeynep, 2014, İşte seçilen kadın başkanlar, Available at: Hürriyet Online http://www.hurriyet.com.tr/gundem/26138818.asp [Accessed 25.04.2014]. 

Hipkins, Danielle and Plain, Gill, 2007, War.Torn Tales: Literature, Film and Gender in the Aftermath of World War II (Bern: Peter Lang AG). 

Manoharan, Karthick Ram, 2015, The promise of women in Kobane, Available at Huffington Post http://www.huffingtonpost.co.uk/karthick-ram-manoharan/kobane_b_6832960.html 

Marshall, Lucinda, 2007, “The misogynist implications of Abu Ghraib” in McKelvey, Tara, One of the Guys: women as aggressors and torturers (Emeryville: Seal Press). 

Morrissey, Belinda, 2003, When Women Kill: Questions of agency and subjectivity (London: Routledge). 

Öcalan, Abdullah, 2011, Democratic Confederalism (Cologne: Transmedia Publishing Ltd.). 

Öcalan, Abdullah, 2013, Liberating Life: Woman’s Revolution (Cologne: Transmedia Publishing Ltd.). 

Staal, Jonas, 2014, Interview with Salih Muslim: A REVOLUTION OF LIFE – INTERVIEW WITH SALEH MUSLIM http://tenk.cc/2014/11/a-revolutionof-life/ 

United Nations Report on the Protection of Civilians in Armed Conflict in Iraq: 11 September – 10 December 2014 http://www.ohchr.org/Documents/Countries/ IQ/UNAMI_OHCHR_Sep_Dec_2014.pdf 

Varghese, Johnlee, 2014, Women Beg West to Bomb their Brothel and Kill Them. International Business Times http://www.ibtimes.co.in/isis-news-raped-abusedyazidi-women-beg-west-bomb-their-brothel-kill-them-video-612643 

Westrheim, Kariane, 2008, Education in a Political Context: A study of knowledge processes and learning sites in the PKK (Bergen: University of Bergen).


Tuesday, December 15, 2015

Criminalizing Our People: Social Impacts of the PKK Ban


Kurds in Germany protest the terror designation of the PKK | Photo: Firat News Agency
This content was originally published by teleSUR at the following address: 
 "http://www.telesurtv.net/english/opinion/Criminalizing-Our-People-Social-Impacts-of-the-PKK-Ban-20151120-0014.html". If you intend to use it, please cite the source and provide a link to the original article. www.teleSURtv.net/english
By Dilar Dirik
Published 20 November 2015
Published 20 November 2015


This content was originally published by teleSUR at the following address: 
 "http://www.telesurtv.net/english/opinion/Criminalizing-Our-People-Social-Impacts-of-the-PKK-Ban-20151120-0014.html". If you intend to use it, please cite the source and provide a link to the original article. www.teleSURtv.net/english
http://www.telesurtv.net/english/opinion/Criminalizing-Our-People-Social-Impacts-of-the-PKK-Ban-20151120-0014.html
Published 20 November 2015


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Published 20 November 2015


This content was originally published by teleSUR at the following address: 
 "http://www.telesurtv.net/english/opinion/Criminalizing-Our-People-Social-Impacts-of-the-PKK-Ban-20151120-0014.html". If you intend to use it, please cite the source and provide a link to the original article. www.teleSURtv.net/english

Last year, when Western mainstream media was confused about “PKK terrorists” fighting “Islamic State group terrorists,” this evoked a tired smile in the faces of ordinary Kurds who, aside from oppression at home, are stigmatized and criminalized throughout Europe.

Terror designations often demonize one side of a conflict, while immunizing the other. This especially applies to the Turkey-PKK conflict, with the second largest NATO-army on one side, and an armed national liberation movement on the other. But in this case, a terrorist designation also criminalizes an entire community of ordinary people, denying them fundamental rights.

The on and off listings of groups and states, such as Saddam Hussein’s Iraq, according to the day’s political situation, are examples of how blacklistings are political, not moral, regardless of their pretensions. In reality, listings strengthen state-sponsored violence by reinforcing the state’s monopoly on the use of force, ignoring the legitimacy of resistance and making no moral distinction between groups like ISIS and movements reacting to injustice.

The Kurdistan Workers Party (PKK) was designated as a terrorist group by the United States in 1997 and by the EU in 2002. While PKK-affiliates committed violent acts in Germany in the 1990s, violence was not the reason to justify the ban, but rather the PKK “disrupting NATO interests in the Middle East.” Still today, European officials state that as long as Turkey’s stance on the PKK remains, they will refrain from lifting the ban. Whenever governments look like reconsidering the listing, it is due to tensions with Turkey. While the listing appeases Turkey, it is also a wild card  to signal that the ban on their enemy could be removed if Turkey misbehaves.

One does not have to be a PKK-sympathizer to view the ban as an anachronism. In an era in which the PKK not only shifted its political perspective, announced several unilateral cease-fires, and initiated a two-year long peace process, it is also the life guarantee for many ethnic and religious communities in the Middle East as the strongest enemy of the Islamic State group. Old arguments fail to hold.

But, legal and political arguments aside, what social implications does black-listing have?

In Europe, Kurdish people constitute one of the most organized and political communities. The concept of democratic autonomy is implemented in the form of people’s and women’s assemblies in the diaspora. This democratic potential itself is seen as a threat.

European governments aim to delegitimize organizations perceived as terrorist by targeting and “disrupting” support bases through criminalization in an attempt to depoliticize communities and break their ties with politics at home.

But Western governments are often complicit in the oppression that forces these communities abroad. The same states that label the PKK as terrorist are the top arms providers of Turkey’s war on the Kurds. Intelligence provided by U.S. drones killed 34 Kurdish civilians in 2011, German tanks destroyed 5,000 Kurdish villages in the 1990s in the hands of the Turkish army. Ironically, while supporting Turkey’s war on the Kurds, European states also accepted thousands of Kurdish refugees due to political persecution in the 1990s. The explicitly geopolitical nature of these lists reinforces injustice; thus, for the Kurdish community, terror-listing is not a standard for morality or legitimacy, as Kurds actively die under its implications. What it is however is harassment and abuse to a community of millions.

 
Kurds demand an end to the PKK terror designation. Photo: Reuters


In Europe, people don’t need to actually commit offenses to be arrested for PKK-membership. In Germany, which pursues the most aggressive criminalization due to the long tradition of German-Turkish political and economic collaboration, the criteria for membership can be mere perceived sympathy, which is answered with phone tapping, psychological and physical violence at demonstrations, home raids, and closures of social and political institutions. Participation in social and political events, which are normally democratic rights protected under international agreements, suffice as membership criteria. Legally registered offices, student organizations, and community centers are under constant suspicion.

People are charged without seeing evidence against them due to the secretive nature of counter-terrorism procedures. In the case of Adem Uzun, a prominent Kurdish politician and activist, a reason to arrest him was actively fabricated by French authorities.

Young Kurds in Germany, France and the U.K., without residence status or citizenship, are targetted because of their vulnerability and coerced to collaborate with authorities as spies against their own communities. They face threats of deportation when they refuse. Nowadays, refugees from Kurdistan who escaped the Islamic State group are threatened and harassed by European police for joining political activities.

Simultaneous crackdowns are often coordinated across Europe and coincide with developments in Kurdistan. Shortly after peace negotiations were announced between the PKK and the Turkish state in 2013, crackdowns on Kurdish activists took place most notably in Spain, Germany, and France.

Angela Merkel’s visit to Turkish President Erdogan before November’s snap elections expressed support for his authoritarian-fascist rule and meant that Europe would close its eyes to Turkish massacres if Erdogan keeps refugees out of the EU. As besieged Kurdish cities like Silvan face massacre by the Turkish army, Germany raids Kurdish houses and arrests activists, as I write.

OPINION: Turkey’s Future? State Authoritarianism or Democratic Autonomy

Simultaneously, after having spent most of the year in jail, Shilan Özcelik, an 18-year-old Kurdish woman is being tried in a British court under terrorism charges for allegedly wanting to join the fight against the Islamic State group. Activists believe that the U.K., which criminalized Kurds for more than a decade, wants to set precedence with Shilan’s case, especially after British volunteer Konstandinos Erik Scurfield died fighting the Islamist terror group alongside Kurds in Syria, the funeral of whom was received by crowds praising him as a hero. The British government is in tacit alliance with Kurdish forces at the front, but criminalizes the same struggle domestically.
 
Police violence at an anti-ISIS demo in London 2014 - Photo: Telgraf Newspaper

Statistics about PKK-sympathizers in Europe are only based on wild guesses by authorities because the mutual mistrust between ordinary Kurdish people and European state authorities makes it impossible to express political opinions openly. The UK, France, Germany, and Denmark made their point clear when closing several Kurdish TV channels, charging them with heavy fines for allegedly supporting the PKK. In the case of ROJ TV, the then prime minister of Denmark, Anders Fogh Rasmussen, is believed to have banned the channel to gain Turkey’s favor for his post as NATO secretary-general in 2009, according to leaked documents.

What message do those that pride themselves with press freedom and democracy send to hundred thousands of diasporic Kurds who see these channels as their only voice and connection to their homeland?

That nobody is immune against the constant Kafkaesque distress of criminalization is exemplified by the case of Nicole Gohlke, Left Party Member of the German Parliament. In November 2014, during the siege of the Islamic State group on Kobane, she spoke at a demonstration in Munich. She held up the PKK flag for 15 seconds, saying: “I urge the German government to no longer criminalize symbols like these, because a fight for freedom, human rights, and democracy is being led under this flag as we speak. Lift the PKK ban!” She was detained, forced to pay a fine and had her parliamentary immunity lifted. This happened in a political environment where the PKK was internationally applauded after rescuing ten thousand of Yezidis stranded on Mount Sinjar.

Clearly, the terror designation is a veil behind which Europe hides its own wickedness. It is a tool of control to silence dissent and annihilate political consciousness. But the PKK is legitimate in the eyes of millions of Kurds; it is impossible to make any distinction between “organization” and “social base.” Whoever attended a Kurdish demonstration will have heard the slogan: “PKK is the people – and the people are here.” Kobane, the bastion of resistance against the Islamic State group, was liberated with the slogan “Long live Abdullah Öcalan.”

Today, the Kurdish freedom movement around the PKK, especially with its pioneering women’s liberation paradigm, appeals not only to Kurds, but to all oppressed peoples in the region. In Rojava and North Kurdistan, the idea of democratic autonomy based on the co-existence of all ethnic compounds is taking practical shape.
  
When Kobane was under siege last year, everyone saw the mobilization power of the Kurdish community; hundreds of spontaneous demonstrations, hunger strikes, occupations, and rallies were simultaneously organized across Europe within hours. At the same time, Europe’s own two-faced politics were exposed when the PKK saved entire communities in the Middle East, while NATO-member Turkey supported jihadist groups, wanting to see the Kurds fall before the Islamic State group, thus becoming a major causal factor for the refugee crisis, for which the EU now brown-noses Turkey.

Regardless of their moralistic pretensions, crackdowns by arms-selling governments that support oppressive states like Turkey, which are realized in the hope of assimilating especially young Kurds into uncritical, pacified parts of the system by isolating and robbing them off their opinions, democratic rights, media, and sense of community, reached quite the opposite: a politically conscious, increasingly autonomous, critical community that burned its bridges with the system and is willing to dedicate itself fully to its legitimate struggle.

Forget the UN! Meet the Self-Determining Refugees in Kurdistan


Self-defense training of Yazidi women in Shengal | Photo: Alan Roj


By: Dilar Dirik
Published 5 October 2015 
http://www.telesurtv.net/english/opinion/Forget-the-UN-Meet-the-Self-Determining-Refugees-in-Kurdistan-20151005-0021.html

Rejecting the victim narrative, PKK-supported refugee camps in Kurdistan have taken control of their fates by creating their own autonomous system.
Without getting into the dehumanizing, brutal debates that dominate the so-called refugee crisis, let’s explore a different refugee story. One of autonomy, agency, self-determination and empowerment. Three refugee camps in Kurdistan illustrate this radical alternative to the status quo.

Our journey begins in Makhmour, a 40-minute ride south of the Iraqi-Kurdish capital Erbil City. Even today, this refugee camp’s inhabitants call its existence “a miracle.” It was created in the 1990s after the Turkish army destroyed Kurdish villages, forcibly displacing 100,000 people escaping massacre and forced assimilation. Far from the U.S.-cheerleading system in Erbil, decorated with billboards of Turkish companies, you feel an entirely different atmosphere upon entering Makhmour camp which is guarded by PKK guerrillas: a communal life.

Due to the explicitly political nature of the camp, which openly supports the PKK, the camp was displaced several times and repeatedly criminalized, invaded, and partly destroyed over the years by the Turkish and Iraqi states, as well as the Kurdistan Democratic Party (KDP), which governs Erbil. The U.N. never adequately supported the camp beyond basic needs, due to its politics.

Many children were killed by scorpions during the early days in this desert-like, hostile piece of land. Over time, despite all the attacks, the people established a principled autonomous system and turned it into a fertile green settlement. Every neighborhood here forms a commune, each having an autonomous women’s commune. The education system, including the syllabus, and health services, the economy, etc., are self-determined and independent from the Kurdistan Regional Government in Iraq. The entire infrastructure was built collectively. “Everyone placed a brick on every house here,” the story of Makhmour goes.

The Ishtar women’s council was created in 2003 in order to represent women’s will and needs. The women’s academy Martyr Jiyan (named after a camp woman killed by the KDP in an uprising) gives lessons in literacy, self-defense (philosophical and armed), world, regional, and women’s history, democratic confederalism, ecology, and more.

“To know is to become aware,” explains Aryen, who teaches at the academy. “There was a time in Mesopotamia where society was organized by women. That time was far more ethical and egalitarian than today’s age. We want to resist by reviving the values that were taken away from us as women by raising women with strength and ethical-political consciousness.”

Whoever witnessed the invisibility of ordinary women in ultra-patriarchal Erbil encounters a very different type of woman here: self-confident, assertive, and happy – a striking indicator of how systemic environments impact women’s lives. Though the camp is supposedly under U.N. protection, only the PKK was here to evacuate and defend the people, when ISIS attacked last year. All adults in the camp know how to handle a gun and take turns holding guard at night.

Our next stop takes us to the Sinjar (Shengal) mountains, the stage of the latest massacre on the Yazidi Kurds.

“This is definitely the last massacre on the Yazidis,” the people here say. “If we get distributed into the diaspora, this will be our end anyway. We will cease to exist as a community. That is why the only way to survive is to organize.”

What many people who fail to understand the sociological factors of displacement don’t realize is that attachment to a certain geography is an existential element for many communities. Displacement often means the irreversible erasure of history.

“Due to betrayal and lack of organization, we became victims,” explains a member of the Shengal Founding Council, established in January 2015, based on Abdullah Öcalan’s democratic autonomy system. “Now we know that if we do not look after ourselves, nobody will.”

Foundation of the Shengal Founding Council | Photo: Alan Roj

Approximately 40,000 people live in tents on the mountain now.    “We started by walking from tent to tent to meet people’s basic needs. Slowly, we began building self-organization through committees for services, culture, health, education, economy, etc. to sort out daily life issues, but also long-term goals. Women and youth organize autonomously. Very quickly, we became a thorn in the eye of the KDP, which withdrew when the massacre began,” he added. While blocking roads for others, the KDP distributes international aid from abroad in its own name here.

Our final stop is the Newroz camp which was created in Dêrîk (al-Malikiyah) in August 2014 after more than 10,000 Yazidis escaped by crossing the fading Iraqi-Syrian border through the “humanitarian corridor” from Shengal to Rojava, fought by the YPG/YPJ of Rojava and PKK guerrillas. During my first visit to the camp in December 2014, the full embargo on Rojava imposed by Turkey and the KDP, the latter controlling the border-crossing on the Iraqi side, prevented any humanitarian aid, including food and blankets, and even books from crossing. Due to political pressure, especially after the resistance of Kobane, some international organizations provide limited aid now, but the embargo continues. The UNHCR, the United Nations refugee agency, attempted to recreate the camp according to its universal concept, neglecting the fact that there was already a self-determining system in practice. Encountering the camp assembly’s resistance, the UNHCR was forced to respect their demands and now provides material needs, which the people coordinate themselves.

International institutions supposedly in charge have often left these people to die, starve, and suffer, by giving in to state policies. Meanwhile, the refugees, who have had everything taken away from them, create a life in dignity and power.

In September, the photo of the small child Alan Kurdî from Kobane stranded on a beach after drowning in the sea, managed to touch the silent conscience of humanity. My friend and Kurdish activist Mehmet Aksoy wrote: “Sometimes the fate of a child is written a 100 years before they are born. We are not talking of a divine fate, we are talking of historical forces, politics, power, hegemony, economic exploitation and colonialism.”

What makes bodies like Alan Kurdî’s so cruelly disposable is this order which values state-borders more than human beings.

In a world dictated by nation-states, what can we expect from a system like the U.N. that only respects the agency of states, which cause today’s massacres, genocides, ethnic cleansings, mass displacements, poverty, war and destruction to begin with, because it necessitates them by definition, especially considering that the core of it is made up of the top arms-selling states?

Rendering displaced people as dependent, apolitical non-agents, while leading a chauvinism discourse in host countries which established themselves through imperialism, racism, colonization, theft, exploitation, war, murder, and rape, is a strategy of the international order to maintain the racist status quo. Makhmour, Dêrîk, and Shengal, however, having been empowered by the PKK ideology, which rejects the nation-state system, tell another story.

Sabriye, a mother from Makhmour explains: “They fear us, because we stand on our feet. We did not trust anyone to save us, we took our fate into our own hands and created our own self-defense and social system. We made life sweeter by organizing ourselves.”

More than charity, refugees need comrades that help fight displacement causes (like foreign invasions and arms trade) and support the concerned people’s autonomy. Last month, Abdallah Kurdî, Alan’s father, called for the political recognition of the Rojava administration: “I am grateful for your sympathy for my fate. This has given me the feeling that I am not alone. But an essential step in ending this tragedy and avoiding its recurrence, is support for our self-organization.”

The world cried for Alan’s father, will it support his politics as well?


From Genocide to Resistance: Yazidi Women Fight Back


Protest march of Yazidi women in the Sinjar Mountains on the first anniversary of the Islamic State group massacre | Photo: Dilar Dirik

By: Dilar Dirik

Published 21 August 2015
http://www.telesurtv.net/english/opinion/From-Genocide-to-Resistance-Yazidi-Women-Fight-Back-20150821-0014.html 
SHENGAL - The old Kurdish saying “We have no friends but the mountains” became more relevant than ever when on Aug. 3, 2014, the murderous Islamic State group launched what is referred to as the 73rd massacre on the Yazidis by attacking the city of Sinjar (in Kurdish: Shengal), slaughtering thousands of people, and raping and kidnapping the women to sell them as sex slaves.         
Ten thousand Yazidis fled to the Shengal Mountains in a death march in which they, and especially children, died of hunger, thirst, and exhaustion. This year on the same day, the Yazidis marched in the Shengal Mountains again. But this time in a protest to vow that nothing will ever be the same again.

Last year, the Iraqi Kurdish peshmerga of the Kurdistan Democratic Party (KDP) promised the people to guarantee Shengal’s safety, but ran away without warning when the Islamic State group attacked, not even leaving arms behind for people to defend themselves. Instead, it was the guerrilla of the PKK, as well as the the Kurdish People's Defense Units, or YPG, and its women’s brigade the YPJ from Rojava, who in spite of having Kalashnikovs and a only handful of fighters, opened a corridor to Rojava, rescuing 10,000 people.

Photo: Dilar Dirik

For an entire year, Yazidi women have been portrayed as helpless rape victims by the media. Countless interviews repeatedly asked them how often they were raped and sold, ruthlessly making them relive the trauma for the sake of sensationalist news reporting. Yazidi women were presented as the embodiment of the crying, passively surrendering woman, the ultimate victim of the Islamic State group, the female white flag to patriarchy. Furthermore, the wildest orientalist portrayals grotesquely reduced one of the oldest surviving religions in the world to a new exotic field yet to be explored.

Ignored is the fact that Yazidi women armed themselves and now mobilize ideologically, socially, politically and militarily with the framework laid out by Abdullah Öcalan, leader of the PKK. In January, the Shengal Founding Council was established by Yazidi delegates from both the mountain and the refugee camps, demanding a system of autonomy independent of the central Iraqi government or the KRG. Several committees for education, culture, health, defense, women, youth, and economy organize everyday issues.
The council is based on democratic autonomy, as articulated by Öcalan, and met harsh opposition by the KDP, the same party which fled Shengal without a fight.
The newly-founded YBŞ (Shengal Resistance Units), the all-women’s army YPJ-Shengal, and the PKK build the frontline against the Islamic State group here, without receiving a share of the weapons provided to the peshmerga by international forces. Several YBŞ and council members were also arrested in Iraqi Kurdistan.


             YPJ-Shengal fighter guarding the anniversary march in Shengal | Photo: Dilar Dirik

On July 29, women of all ages made history by founding the autonomous Shengal Women’s Council, promising: “The organization of Yazidi women will be the revenge for all massacres.” They decided that families must not intervene when girls want to participate in any part of the struggle and committed to internally democratizing and transforming their own community. They do not want to simply “buy back” the kidnapped women, but liberate them through active mobilization by establishing not only a physical, but also a philosophical self-defense against all forms of violence.

The international system insidiously depoliticizes people affected by war, especially refugees, by framing a discourse to render them without will, knowledge, consciousness and politics. Yet, the Yazidi refugees on the mountain and in the Newroz camp in Dêrîk (al-Malikiyah), which was created in Rojava immediately after the massacre, insist on their agency. Though some international organizations provide limited aid now, due to the embargo imposed by the KRG, almost no aid was able to cross to Rojava for years. The people at Newroz Camp told me that in spite of the the Office of the United Nations High Commissioner for Refugees’ attempts to model the camp and its educational system according to its top-down vision, the camp’s assembly resisted, forcing one of the biggest international institutions to respect its own autonomous system. Now, education in literacy, art, theater, culture, language, history, and ideology are taught across ages, while commune-like units organize daily needs and issues in Dêrîk and Shengal. 
“All these councils, protests, meetings, the resistance may seem normal. But all of this emerged within a year only and for Shengal, this is a revolution”, one Yazidi PKK-fighter said. “The atmosphere of Rojava has reached Shengal.”

Hedar Reşît, a PKK-commander from Rojava who teaches about the sociology of Shengal before and after the latest genocide, was among the seven people who fought the Islamic State group at the beginning of the massacre and was wounded opening the corridor to Rojava. The presence of women like her from four parts of Kurdistan enormously impacts the society of Shengal.

      Braid of a Yazidi fighter | Photo: Dilar Dirik

“For the first time in our history, we take up arms because with the last massacre, we understood that nobody will protect us; we must do it ourselves,” I was told by a young YPJ-Shengal fighter, who renamed herself after Arîn Mîrkan, a martyred heroine of the resistance of Kobane. She explained how girls like her never dared to have dreams and only sat at home until they got married. But like her, hundreds have joined the struggle now, like the young woman who cut off her hair, hung the braid on her martyred husband’s grave, and joined the resistance.

The physical genocide may be over, but the women are conscious of a “white”, i.e. bloodless genocide, as EU governments, especially Germany, try to lure Yazidi women abroad, uprooting them from their sacred homes and instrumentalizing them for their agendas.

Mother Xensê, member of the women’s council, kisses her granddaughter and explains: “We receive armed training, but ideological education is far more important so that we understand why the massacre happened to us and what calculations people make on our expense. That is our real self-defense. Now we know that we were so vulnerable because we were not organized. But Shengal will never be the same again. Thanks to Apo (Abdullah Öcalan).”
                                                                                                                                                     
                                                             

A Yazidi woman herself, Sozdar Avesta, Union of Communities in Kurdistan (KCK) presidency council member and PKK-commander, elaborates:
“It is not a coincidence that the Islamic State group attacked one of the oldest communities in the world. Their aim is to destroy all ethical values and cultures of the Middle East. In attacking the Yazidis, they tried to wipe out history. The Islamic State group explicitly organizes against Öcalan’s philosophy, against women’s liberation, against the unity of all communities. Thus, defeating the group requires the right sociology and history-reading. Beyond physically destroying them, we must also remove the Islamic State group-ideology mentally, which also persists in the current world order.”                    

One year ago, the world watched the unforgettable genocide of the Yazidis. Today, the same people who, while everyone else ran away rescued the Yazidis, are being bombed by the the Islamic State group-supporting Turkish state with the approval of NATO. Especially when the states that contributed to the rise of the Islamic State group promise to defeat it and destroy the social fabric of the Middle East along the way, the only survival option is to establish autonomous self-defense and grassroots democracy.

As one drives through the Shengal Mountains, the most beautiful indicator of the change that hit this wounded place within a year are the children on the streets, who, whenever heval, “the comrades,” drive by, chant: “Long live Shengal’s resistance –Long live the PKK –Long live Apo.”

Thanks to democratic autonomy, the children who once opened their tiny hands and asked for money when peshmerga fighters drove by now raise the same hands to fists and victory signs.

                          Yazidis in Shengal protesting the anniversary of the massacre | Photo: Dilar Dirik



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